Zu Besuch in der Bläserklasse 6a

Ich bin zum Unterrichtsbesuch auf dem Weg in die Bläserklasse. Dienstagmorgen. Erste Stunde. Von weitem höre ich Musik. Ein erfrischender Rhythmus erklingt. Das Erstaunliche daran ist, dass ich sehe, als ich das Klassenzimmer betrete, dass die Klasse ohne Lehrerin musiziert. Ihre Lehrerin, Frau Schmalz, ist noch bei den Vorbereitungen. Die Schülerinnen und Schüler der 6a haben selbständig das Zimmer umgeräumt, die Orchestersitzordnung aufgebaut und musizieren gemeinsam. Bevor der Unterricht beginnt, dirigieren sie gemeinsam, um durch gymnastische Übungen ihr Gehirn aufzuwecken. Zum Einspielen üben sie die Tonleitern. Ein Schüler dirigiert und die Schüler müssen das vorgebende Tempo einhalten. Schon hier ist große Konzentration gefragt, denn auch Tonleitern können schief klingen.

Die Klasse 6a musiziert jetzt schon fast zwei Jahre voller Freude. Zum Orchester gehören 5 Trompeten, 3 Saxophone, 4 Querflöten, 5 Klarinetten, 2 Hörner, 3 Posaunen, 1 Euphonium, 1 Schlagzeug sowie Perkussionsinstrumente und Xylophon. Nach dem Einspielen prüft eine Schülerin die Stimmung eines jeden Instrumentes und gibt Hinweise, ob es zu tief oder zu hoch klingt und angepasst werden muss. Ziel ist, dass die jungen Musikanten irgendwann selbständig den richtigen Klang ihres Blasinstrumentes heraushören können.

Und schon geht es los. Das erste Stück ertönt. Schwungvoll und fröhlich erklingt „Party Rock Anthem“. Ich bin begeistert. Doch Frau Schmalz will noch mehr. „Das geht ein bisschen zackiger, extremer.“ Dann kommen die Ansagen wie beispielsweise: „Deshalb hätte ich gern fortepiano im Takt 53.“ Manchmal singt und schnipst sie die Melodie vor. Die Schülerinnen und Schüler wiederholen die Melodie sofort mit ihren Instrumenten. Vom ersten Musikstück geht es zur Einübung der nächsten beiden Stücke, die Schritt für Schritt erarbeitet werden. Nach „Seven Nation Army“ folgt „Cheap Thrills“ mit einem afrokubanischen Begleitrhythmus. Um sich einzufühlen, wird im Sprechgesang „Omama Omama Opa“ und „Ananas Ananas Ana“ eingeübt, manchmal lauter, manchmal leiser, dann kommt das Klatschen dazu. Auch ohne Instrumente macht das Erarbeiten des neuen Rhythmus Spaß. Selbst nach 45 Minuten sind alle noch voll dabei und geben beim letzten Durchlauf alles.

Am Ende stelle ich fest: So hätte mir Musikunterricht auch Spaß gemacht!